Forstwirtschaft im Spessart

9. Oktober 2018

Zupacken: Holzernte im Spessart

Der meterlange Greifarm fixiert den Stamm, die Säge kreischt, Äste rascheln zu Boden. Fällen, entasten, zerteilen – in Minutenschnelle hat der Harvester einen Baum in Stücke zerlegt. Fertig zum Abtransport. Wo der Holzvollernter zupackt, das entscheidet Manuela Gebhardt.

Die 52- Jährige ist Försterin. Eine der wenigen Frauen im Forstbetrieb. Punkt, Schrägstrich, horizontaler Doppelstrich – es ist ein einfaches Koordinatensystem, mit dem Manuela Gebhardt dem Harvesterführer anzeigt, welcher Baum ein schützenswerter Pflegestamm ist, welcher Baum gefällt wird und wo für das tonnenschwere Fahrzeug der Weg in den Wald führt. Die Kunst ist das das sogenannte Auszeichnen. Die Eiche braucht einen „freien Kopf“, viel Licht, um in bis zu 240 Jahren perfekt gedeihen zu können. Die Fichte ist der „Brotbaum“, das perfekte Bauholz. Manuela muss in langen Zeiträumen denken, muss abwägen zwischen Pflege und Profit, der Wald ist nicht nur Erholungsraum, sondern auch Wirtschaftsbetrieb, ein Rohstofflieferant.

„Aus Liebe zur Natur“

Aus Liebe zur Natur ist Manuela Gebhardt Försterin geworden. Schon als Mädchen lockten die Wälder rund um ihre Heimatstadt Osterode im Harz mehr als der Fernseher. Nach dem Studium der Forstwissenschaft führte der berufliche Weg über den Naturpark Hessischer Spessart und den Landschaftspflegeverband Main-Kinzig zum Forstamt Jossgrund. „Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen, weil ich als Försterin ein Stück weit die Chance habe, die Umwelt zu gestalten.“ Vom Naturschutz bis zur Holzwirtschaft: Die Vielfalt der Dinge fasziniert sie unverändert.

Der Harvester hat seine Arbeit beendet. Sorgsam aufgereiht liegen Eiche und Buche, Fichte und Kiefer am Wegesrand. Das Gros der Stämme wird in der Region zu Möbeln, Platten und Baustoff verarbeitet.
Und weil die Spessarteiche sehr feinringig und gleichmäßig gedeiht, ist sie als Möbelfurnier ebenso begehrt wie als Parkett. Selbst edle Bordeauxweine reifen in Spessarteiche.

„Nachhaltigkeit“

Eine Vorgabe wird immer befolgt: „Weniger entnehmen als nachwächst“ Den Begriff Nachhaltigkeit haben schließlich die Forstwirte erfunden.

Go top