Barfuß ins Kinderglück

8. August 2019

Mit Kind und Kegel auf Deutschlands längstem Barfußpfad

von Michael Seiterle

Am Wochenende haben wir uns mit der Familie auf den Weg nach Bad Orb gemacht. Immerhin soll es dort „Deutschlands längsten Barfußpfad“ geben. Diese Superlative wollten wir einmal ausprobieren. Den Flyer hatten wir uns vorab auf den Internetseiten von Bad Orb heruntergeladen (www.bad-orb.info) und so war die Anfahrt auch kein Problem. Wir parken direkt 100 m Luftlinie entfernt am Rand des Kurparks in der Spessartstraße.

Für Babys, Kinder und Erwachsene

Unsere ersten Bedenken waren natürlich, ob auch unser Kleinster im Kinderwagen mitdurfte. Am Kioskhäuschen am Start des Barfußpfades nahm man uns gleich die Sorge: Es gibt immer parallel zum Weg auch eine asphaltierte kinderwagentaugliche Alternative. Dann konnte es ja losgehen. Übrigens gab es nicht nur weitere hilfreiche Tipps (Sonnenstand, Wegevarianten), sondern von dem freundlichen Kioskteam auch den Hinweis, dass der erste Teil für die Kinder zum einen spannender und zum anderen auch weniger steil sei. Wir zahlen den Eintritt (Erwachsene 2,50 € und Kinder 1,00 €) gerne und decken uns noch mit Getränken und einem köstlichen Apfelblechkuchen ein.

Balancieren, Fühlen, Waten, Spüren

Bevor es los geht, haben wir die Möglichkeit, die Schuhe am Kiosk abzulegen. Aber wir nehmen Sie doch lieber mit – man weiß ja nie. Die Kinder glucksen vor Freude, endlich sind die lästigen Schuhe von den Füßen, und stürmen los. Die Fakir-Station mit Scherben hat es gleich in sich – klingt aber schlimmer als sie ist. Weiter geht es durch den Kurpark mit Mulchfeldern, Sand- und Kieselfeldern. Zwischen den einzelnen Stationen läuft man auf der Wiese. Etwas Balance braucht man beim „großen Salinenschwebebalken“ und dem Palisaden-Hang, aber wir meistern es einigermaßen.
Der erste Höhepunkt ist dann die sogenannte „erfrischende 1. Bachquerung“. Unterstützt durch ein dickes Festhaltetau watet man durch den Orbbach. Wir merken, dass „erfrischend“ durchaus als Untertreibung aufgefasst werden kann. Eiskalt würde es auch treffen. Wenige später folgen die „kühle 2. Bachquerung“, die „tiefe 3. Bachquerung“ und die „uferverbindende 4. Bachquerung“. An diesem warmen Tag ist es wirklich immer wieder eine willkommene Abwechslung für die Füße – auch wenn wir nicht leugnen wollen, das leichtes Kribbeln bis hin zu einem belebenden Kälteschmerz es auch treffen würde.

Das Matschfeld – Paradies für Kinder

Aber deswegen sind wir ja hier. Wir wollen unseren Füßen ein neues Sinnes-Erlebnis gönnen, etwas für die Gesundheit tun, und Neues fühlen lernen. Und natürlich wollen wir die Landschaft genießen. Die ist traumhaft. Im Hintergrund die Spessart-Berge, im Vordergrund unberührte Wiesenlandschaft und um uns herum immer der quirlige Orbbach. Und dazwischen immer wieder neue Sohlen-Eindrücke: Sandfelder, Tannenzapfen, Balancierpfähle, Kieselfeld – all das erfordert unsere Aufmerksamkeit und zaubert ein Strahlen auf die Gesichter der Kinder.
Der absolute Höhepunkt aber und der Moment, wo aus dem glücklichen Strahlen ein übermütiges Jauchzen wurde, war das 70-Meter-Matschfeld. Die Hosen aus und rein in die Matschpampe – da gab es kein Halten mehr. Wann und wo kann man als Kind schon noch nach Herzenslust im Schlamm patschen, plantschen, matschen und rumtoben. Ein tolles Erlebnis – und zum Glück scheint die Sonne, denn 90 % der Kleidung müssen wir dann erst einmal im Bach auswaschen und trocknen. Trotzdem – die Kinder sind sich einig: Das Matschfeld ist mit Abstand das allerbeste am Barfußpfad!

Kneipp und Kuchen

Danach machen wir noch eine Rast an der Kneippanlage und genießen den Blechkuchen aus dem Starthäuschen, bevor es dann wieder gemütlich zurück geht. Kaum zu glauben – die Zeit verging wie im Flug: Insgesamt über drei Stunden haben wir auf dem Barfußpfad verbracht und dabei viele Glücksmomente erlebt!
Der Barfußpfad ist 4,5 km lang, hat insgesamt 36 Stationen und ist täglich von Ostern bis Oktober geöffnet.

Hier kann man den Flyer direkt herunterladen.

Michael Seiterle

Über

Michael Seiterle ist ein echtes Spessart-Gewächs. Er schreibt Romane, regionale Kurzgeschichten und Reise- und Wanderführer über den Spessart. Wenn er nicht gerade berufsbedingt seine herrliche Heimat – das Spessart-Mainland – bei Gästen bekannt macht, genießt er entspannte Radtouren entlang des Mains und seiner Nebenflüsse und Wanderungen in den Weiten der Wälder.

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