Zauberhafte Zufallsreise in Aufenau

20. Juli 2020

Ferien in Hessen. Meine beiden Nichten kommen zu Besuch. Als guter Onkel muss man da selbstverständlich etwas Entertainment bieten. Aber was? Mir fällt „Spessart im Glück“ wieder ein! „Draußen sein“ gefällt meiner Schwester, „Smartphone“ gefällt meinen Nichten. Ich bin gerettet! Man darf ja auch mal „Spessart im Glück“ haben.

Es soll regnen. Und Regen hat ja auch immer etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Als ich noch ein Kind war, haben mich die Nebel, die nach einem Regen über dem Wald nach Bad Orb aufstiegen, immer sehr beindruckt. Heute würde ich das Wort „mystisch“ benutzen, aber das Wort kannte ich damals noch nicht. „Die Füchse kochen Kaffee“, hatte mir mein Opa damals knapp erklärt, als ich ihn nach den geheimnisvollen Nebelschwaden fragte. Vielleicht schaffen wir es heute auch noch in den Wald, aber wir starten erstmal in die Kinzig-Auen von Aufenau, die direkt hinter dem Grundstück meiner Eltern beginnen.

Frau Holle

Unsere zauberhafte Zufallsreise steht unter dem Motto „Frau Holle“. Frau Holle? Echt jetzt? Wo sollen wir denn zu den vorgeschlagenen Begriffen passende Motive finden? Ich wüsste nicht, wo ich auf unserer Route „Kissen“, „Schneeflocken“ oder einen „Hahn“ finden könnte. Aber es bleibt dabei: Frau Holle. Alle sind gespannt…

…und auch sofort nach dem Start aus dem Häuschen. Auch wenn es ein regnerischer Julitag ist, wären wir im Traum nicht darauf gekommen eine Schneeflocke zu sehen. Und wir sehen nicht nur eine Schneeflocke, sondern tausende. Die weiße Schafsgabe blüht gerade. Sie bedeckt die Wiesen der Kinzig-Aue gerade so stark, dass es so aussieht, als hätte Frau Holle eben damit begonnen ihre Betten auszuschütteln. Begriff 1: Check!
Der Weg führt uns weiter: Am Wegesrand recken sich uns aus einem kleinen Gewässer mehrere schmalblättrige Rohrkolben entgegen, die in der Tat wie die Spitze einer Spindel aussehen. Begriff 2: Check!

Nun schlagen wir querfeldein auf eine Wiese ein, die vor kurzem erst die Heuernte hinter sich gebracht hat. Marschrichtung: Kinzig-Ufer. Hier werden wir bestimmt noch ein paar Begriffe finden.
Wir werden nicht enttäuscht. Rund 40 Kissen liegen hier in nächster Nähe zum Kinzig-Ufer auf der saftigen Couch der Kinzig-Auen. Sie sind prall gefüllt mit grünen Kinzig-Auen-Allerlei, dass die Juni-Sonne in den letzten Wochen hier getrocknet hat. Begriff 3: Check! Leider stellen wir auch fest, dass jemand bei einem Kissen schon den Bezug zerrissen hat…

Auf ihn ist Verlass! Er war der Erste – und auch der Einzige –, der mir eingefallen war, als wir das erste Mal die Begriffe zu unserer Zufallsreise gelesen hatten. Denn wenn jemand Federn hat, dann er: Gevatter Adebar, der Storch. Heute hat er sogar noch zwei Freunde mitgebraucht. Als ich die drei sehe, erinnere ich mich an eine Begegnung mit ihm und 11 weiteren seiner Freunde, die sich zum Festtagsschmaus auf einer frisch gemähten Wiese niedergelassen hatten. Eine großartige Erinnerung, wie die großen Vögel, einer nach dem anderen, im kreisenden Segelflug auf der Wiese landeten. Begriff 4: Check!

Unter anderem fehlt uns als Begriff noch der Hahn. Und den haben wir auch gefunden. Aber leider nicht komplett. Nur ein Stück von ihm. Um genau zu sein, den Fuß eines Hahns. Den scharfen Hahnenfuß, der uns hier und da auf den Wiesen entgegenblitzt. Ich bin stolz, dass ich mich an den Namen der Pflanze erinnere und beschließe, dass wir auch noch den Begriff Gold abhaken, da der Hahnenfuß ja goldgelb ist. Begriffe 5 und 6: Check!

Rückweg

Nicht nur die nassen Schuhe, Socken und Füße zwingen uns zum Rückweg, sondern auch das Mittagessen. Ich hatte den Mädels ein Schnitzel mit Kroketten versprochen und ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, wie lang das Restaurant meiner Wahl zur Mittagszeit geöffnet hat.
Der Rückweg führt uns an idyllischen Gartengrundstücken am Ortsrandweg vorbei. Dort entdecken wir einen Raben; aus Plastik. Er sitzt fest an seinem Platz und beschützt das saftige Salatbuffet vor anderen Tieren seiner Gattung. Selbst bekommt er wahrscheinlich aber auch nichts von den grünen Köstlichkeiten. Ein echter Pechvogel, eben. Begriff 7: Check!

Zu Hause angekommen ziehen wir uns in Windeseile um. Da ich aber leider kein Ersatzpaar „Einhorn-Socken“ für meine kleine Nichte zu Hause habe, muss der Föhn zur Trocknung herhalten, was die Abfahrt etwas verzögert. Da aber Vorfreude ja die schönste Freude ist, schmeckt das Schnitzel mit Kroketten im Landgasthof „Zur Quelle“ in Aufenau noch mal so gut, wie sonst ohnehin schon.
Quelle…? Quelle…? Quelle…? Ja! Da war doch der Begriff „Brunnen“ auf unserer Liste! Natürlich! Gut gestärkt finden wir direkt neben dem Landgasthof in Aufenau die Kneippanlage und damit auch den „Eberborn“. Der ist zwar kein klassischer Märchenbrunnen, aber seinen Zweck erfüllt er mindestens genauso gut erfüllt. Begriff 8: Check!
Zu einem klassischen Märchen im TV konnte ich meine Nichten mitnichten bewegen. Aber „Die Eiskönigin II“ gefällt mir auch gut; und Elsa ist ja quasi die Frau Holle des 21. Jahrhunderts, also stimmt’s am Ende wieder.

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