Mit dem Rad auf dem Grünen Ring

13. August 2021

Treffpunkt am Schloss Philippsruhe

Es ist kurz vor acht und ich stehe mit meinem Fahrrad vor dem goldenen Tor von Schloss Philippsruhe. Hier treffe ich mich gleich mit Gabriele Schaar-von Römer und Kerstin Heidemann vom Umweltzentrum Hanau, um mit ihnen gemeinsam ein Stück der Fahrradroute „Grüner Ring Hanau“ zu fahren.
Das Umweltzentrum Hanau ist ein Bildungszentrum für Natur und Umwelt und bietet sowohl für Schulen und Kindertageseinrichtungen als auch für Familien und Einzelpersonen Kurse und Veranstaltungen zu spannenden Themen rund um die Natur an.

Der Grüne Ring

Neben den Aufgaben im Bereich der Umweltbildung, betreut das Umweltzentrum auch die Radroute „Grüner Ring“ und ich bin schon sehr gespannt, was mich heute erwartet.
Der Grüne Ring hat eine Länge von fast 60 Kilometern und verbindet dabei nicht nur kulturelle Sehenswürdigkeiten, sondern auch insgesamt 13 Naturschutzgebiete rund um Hanau. Die Route lädt dazu ein, die grüne Seite Hanaus zu entdecken und ich nehme diese Einladung gerne an!

Eine urige Baumgestalt

Wir fahren zunächst ein Stück am Main entlang und ich lasse meinen Blick immer mal wieder nach links in Richtung Fluss schweifen.
Der Asphalt ist vom Regen am Morgen noch feucht und rauscht unter unseren Rädern. Zu dieser frühen Uhrzeit ist auf dem sonst recht gut frequentierten Abschnitt der Strecke kaum jemand unterwegs und ich genieße die Ruhe.

Es dauert nicht lange, da legen wir einen ersten kurzen Zwischenstopp ein. Grund dafür ist eine sehr alte und wirklich beeindruckende Flatterulme am Wegesrand. Zum Schutz ist der um 1600 gepflanzte Baum eingezäunt. Die ausladenden Äste ragen weit in die Höhe und ich muss ein ganzes Stück zurückgehen, um den riesigen Baum komplett auf mein Foto zu bekommen. Aber selbst dann gelingt es mir nicht wirklich.

Beobachten und Lauschen

Bald kommen wir zu der Staustufe Mühlheim. Gabi und Kerstin machen mich darauf aufmerksam, dass hier auf der nördlichen Seite des Mains hinter der Schleuse noch eine Besonderheit lieg: Hier erstreckt sich ein 23,3 ha großes FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) von europäischer Bedeutung. Die mageren Flachlandmähwiesen beherbergen zahlreiche Arten und auch einige floristische Besonderheiten wie die kleine Wiesenraute, das Zittergras oder die Wiesen-Schlüsselblume.
Die beiden erklären mir, dass es in solchen Gebieten besonders wichtig ist, auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen, da die Tiere, die hier leben sonst bei der Nahrungssuche und der Aufzucht ihrer Jungen gestört werden können.

Wir bleiben noch einen Moment stehen, um zu beobachten und zu lauschen. Nicht weit von uns entfernt hören wir einen Kleiber rufen. Kurze gleichmäßige Pfeiflaute. Von Gabi erfahre ich, dass der Kleiber der einzige Vogel ist, der kopfüber am Baumstamm herunterläuft. Dadurch kann er besonders gut die Nahrung erreichen, die sich hinter nach oben abstehender Rinde verbirgt und befreit so den Baum von Schädlingen. Ein ganz schönes Klettertalent, dieser kleine Vogel.

Tolle Ausblicke auf der Staustufe Mühlheim

Auf der Staustufe Mühlheim überqueren wir nun den Main.
Von hier oben hat man ein beide Richtungen einen fantastischen Ausblick. Auf der einen Seite zeichnet sich am Horizont die Skyline von Frankfurt ab und auf der anderen Seite lassen sich die sanften Hügel des Spessart erahnen.

Ein einprägsamer Name

Wir fahren noch ein kleines Stück am Main entlang und biegen anschließend rechts ab in Richtung Hanauer Straße.
Die Randstreifen am Weg sind mit den lila-blauen Blüten des Storchschnabels übersät. Kerstin erklärt mir, dass diese Pflanze so heißt, weil die Form der länglichen Fruchtstände an den Schnabel eines Storches erinnert. Und tatsächlich, bei genauerem Hinsehen erkenne auch ich den Storchenschnabel in der Blüte. Den Namen werde ich mir jetzt bestimmt gut merken können.

Ein schönes Plätzchen in der Natur

Wir überqueren die Hanauer Straße und die Bahnschienen und tauchen wenig später in den Wald ein. Hier machen wir einen kurzen Abstecher zu dem Restaurant „Zum Grünen See Eck“. Mit einem wunderschönen Außenbereich mit direktem Blick auf den Grünen See und einer interessanten Auswahl an saisonalen deutschen und außergewöhnlichen indischen Gerichten, ist dieser Ort eine richtige Wohlfühloase. Ich kann mir gut vorstellen, hier mit einer heißen Tasse Kaffee oder einem leckeren Mittagessen stundenlang zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Leider hat es mittlerweile wieder angefangen zu regnen und wir beschließen unsere Radtour fortzusetzen, um dem angekündigten Gewitter am Mittag zu entgehen. Ich werde aber bestimmt noch einmal wieder kommen, wenn das Wetter mitspielt und wer weiß, vielleicht habe ich dann ja auch das Glück, einen Eisvogel zu entdecken. Von denen soll es hier einige geben, wie Gabi mir erzählt hat.

Steinbrüche Mühlheim-Dietesheim

Wir gelangen in das Naturschutzgebiet „Steinbrüche Mühlheim-Dietesheim“. Die ehemaligen Basaltsteinbrüche sind heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Nach dem Ende des Basaltabbaus im Jahr 1982 entstand hier eine beeindruckende Seenlandschaft mit insgesamt mehr als 61 Hektar Gesamtfläche.
Über den Spalt zwischen den beiden größten Seen, dem Vogelsberger See und dem Oberwaldsee, fahren wir über den sogenannten Canyon Steg. Hierbei handelt es sich um eine kleine Brücke, von der man einen wunderbaren Ausblick auf die Seen und hinunter in das tiefblaue Wasser hat.
Besonders beeindruckend und zudem einzigartig in der Region Rhein-Main, sind die hohen Steilwände, die als bizarre Felsformationen zu bewundern sind.

So weit wie Amerika

Wir verlassen das Naturschutzgebiet an den Steinbrüchen und der Weg führt uns auf sanften Waldwegen in Richtung Hanau-Steinheim. An einer etwas erhöhten Stelle, mitten im Wald, tauchen vor uns zwei markante Steinsäulen an der Seite des Weges auf. Ein grünes Schild an einer der gut 5 m hohen Säulen weist darauf hin, dass es sich hierbei um die Reste eines Galgens handelt. Die letzte bekannte Hinrichtung im 18. Jahrhundert liegt zum Glück bereits weit in der Vergangenheit.
Kurze Zeit später lichtet sich der Wald und wir gelangen zum „Amerikafeld“. Der sandige Boden dieses Naturschutzgebiets ist vor allem für Pflanzen und Tiere, die es gerne warm und trocken mögen ein ideales Zuhause. Der Name kommt übrigens daher, dass die Einwohner Steinheims hier früher Kartoffeln anbauten und Ihnen der Weg so weit vorkam wie nach Amerika, erzählt mir Gabi.

Wir verlassen den Grünen Ring und fahren durch den Hanauer Ortsteil Steinheim, um uns auf den Weg zurück zum Ausgangspunkt zu machen. Der Himmel zieht sich nun immer mehr zu und als wir wieder am Main ankommen prasseln schon die ersten dickeren Tropfen auf uns nieder. Über die Steinheimer Brücke wechseln wir die Mainseite und fahren immer am Fluss entlang zurück zum Schloss Philippsruhe. Obwohl wir nur etwa 20 Minuten für den letzten Abschnitt brauchen, sind wir am Ende alle ziemlich durchnässt, aber das macht nichts.

Ich bedanke mich noch einmal bei Gabi und Kerstin für die spannenden und neuen Eindrücke, die ich heute von Hanau erhalten habe. Die Nässe aus meiner Kleidung wird wieder verschwinden, aber die Erinnerungen an diese schöne Tour werden bleiben!

Die Tour zum Nachfahren

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